Mental Health: Wenn innere Unruhe das Leben bestimmt

by - Donnerstag, Juni 13, 2019


Manchmal ist der Gedanke für mich überwältigend, dass wir uns alle eine eigene Realität erschaffen. Wir haben alle eine ganz persönliche Sicht von der Welt in unseren Köpfen, die nur uns gehört. Sie besteht aus den Erfahrungen, die wir gemacht und aus den Menschen, die uns geprägt haben. Gerade deshalb fällt es mir so schwer mir vorzustellen, dass du diese Welt genauso wahrnimmst, wie ich. Ich habe mich noch nie irgendwo so richtig zugehörig gefühlt. Oft hatte ich das Gefühl, ich werde nicht verstanden. Oft hatte ich das Gefühl, mein Gegenüber zerbricht sich den Kopf nicht über dieselben Dinge, wie ich.

Und deshalb kann ich Menschen nur schwer glauben, wenn sie mir sagen, was ich ihnen bedeute. Sie mögen die Versionen von mir, die ich ihnen gegenüber offenbare. Versionen, die sie selbst in ihrer eigenen Wahrnehmung von mir erschaffen haben. Die Einfachen. Die, die man leicht mögen kann. Ich zeige ihnen schließlich nicht, wie oft ich mit mir hadere. Wie oft ich verzweifelt da sitze und nicht weiterweiß. Wie oft kein einziger Knochen in meinem Körper das Bedürfnis verspürt, das Haus zu verlassen. Wie oft ich mich selbst nicht verstehe. Es ist, als ob ich niemandem so wirklich sagen könnte, an welcher Stelle meines Körpers es mir wehtut. Nur, dass es so ist.

Es gab in meiner Vergangenheit Tage, da war ich davon überzeugt, keinen Platz in dieser Welt zu haben. 

Ich war davon überzeugt, ich bin nur eine Nebengeschichte, nur existent, weil ich zu den Geschichten der Menschen um mich herum gehöre. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, ich der ich allein gelebt habe, dann kann ich gar nicht richtig fassen, was für ein Leben ich damals geführt habe. Ich habe mir ein Gefängnis gebaut, in dem ich ganz allein war, mit all meinen Geheimnissen. "Morgen wird alles anders", sagte ich mir Tag für Tag wieder. "Morgen schaffe ich es hier raus." Nur um mich im Kreis zu drehen. Die Vorhänge geschlossen zu lassen. Denn dieser Morgen würde nicht kommen. Das wusste ich genau. Wenn du innerlich verblutest, hört das nicht von jetzt auf gleich auf. Manchmal kannst du es nicht steuern, Gedanken nicht aufhalten.

Wir werden nicht auf das Leben vorbereitet. Es gibt keine Generalprobe, kein Skript, keine Anleitung. Sie lehren uns das 1x1 und das Alphabet. Sie lehren uns Symbiose und wie man nach X auflöst. Doch wir sind vollkommen ungeübt, wenn uns Menschen einfach so genommen werden oder Träume platzen und das Leben uns in die Knie zwingt. Niemand bereitet uns auf die Nächte vor, in denen wir das ganze Leben in Frage stellen und es uns nach Antworten bedarf. Niemand gibt uns eine Richtung vor, wenn wir an einer Kreuzung stehen und die nächste Entscheidung das ganze Leben bestimmen könnte. Wir müssen das alles selbst herausfinden. Müssen Erfahrungen sammeln, einen Weg einschlagen und irgendwie mit den Konsequenzen zurechtkommen, auch wenn sie uns enttäuschen.

Ich versuche mich mittlerweile ganz genau zu beobachten. 

Zu hinterfragen, warum ich auf gewisse Dinge reagiere, wie ich reagiere. Warum ich nicht mit Stress umgehen kann und schnell emotional werde. Ich hinterfrage, warum ich in regelmäßigen Abständen in destruktive Verhaltensmuster verfalle. Warum ich gewissen Situationen wieder und wieder aus dem Weg gehe, anstatt mich ihnen zu stellen. Ich versuche den Ursprung meiner selbst zu finden. Die Wurzel meiner Gedanken und Taten.

Aber je mehr ich verstehe, desto schmerzhafter wird es. Was dir kaum einer erzählt ist, dass Heilung nicht linear ist. Heilung tut erstmal ganz schön weh und es ist das reinste Auf und Ab. Mein ganzes Leben lang dachte ich, dass ich mehr sein muss. Mehr als das, was ich bin. Aber ich spüre mittlerweile ganz deutlich, dass es nicht um mehr geht, sondern um weniger. Weniger Ballast. Weniger Sorgen. Weniger Perfektion. Weniger Bedacht. Ich muss loslassen. So vieles endlich loslassen.

Ich habe mittlerweile realisiert, dass ich nicht die Einzige bin, der manchmal alles zu viel erscheint. Ich bin einfach nur ein empathischer und achtsamer Mensch, in einer vollkommen chaotischen Welt. Achtsamkeit bedeutet nämlich nicht immer nur die positiven Dinge im Leben voll und ganz aufzunehmen, sondern auch die Negativen. Denn es bedeutet, dass man aufmerksam ist. Ich glaube es gibt nichts Mutigeres, als gegen den Sturm anzukämpfen, der in uns bebt. Höre niemals auf zu kämpfen.










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