Green-Life-Update oder: Wie ich mein ursprüngliches Ziel aus den Augen verlor

by - Donnerstag, September 06, 2018


Nachhaltigkeit, Minimalismus, Achtsamkeit und ‚Green Living‘ sind keine Nischenthemen mehr. Wie ich auf diese These komme? Wenn ich so durch meine Blog-Timeline scrolle, dann sehe ich ausschließlich pflanzenbasierte Rezepte, gesellschaftskritische Essays, Meditationsübungen und faire Jeanshosen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das, was meine Filterblase mir vorzugaukeln versucht. So oder so: Ich begrüße das natürlich. Je mehr Menschen dafür sensibilisiert werden, desto besser. Jeder kleine Schritt in ein bewusstes Leben ist wichtig. Aber hier und da werde ich aus dieser Blase rausgeholt und merke, dass sich sehr viele Menschen in meinem nahen Umfeld damit überhaupt nicht beschäftigen und sich auch gar nicht damit auseinandersetzen wollen. Und das macht mir immer wieder bewusst, warum ich diesen Blog gestartet habe. Um auch diese Menschen zu erreichen. Um ihnen zu zeigen, dass man nicht gleich ein Öko ist, wenn man ein gewisses Bewusstsein für den Erhalt unseres Planeten hat und einem das Wohl aller Lebewesen – nicht nur den „süßen“ – wichtig ist.

Mein Weg in ein bewusstes Leben hat schon vor vielen Jahren begonnen, jedoch bin ich ihn in Babyschritten gegangen. Ich habe meinen Alltag nicht von einem Tag auf den anderen drastisch umgekrempelt, aber ich bin bis heute ambitioniert, mich jeden Tag ein Stückchen zu verbessern. Ich wollte auf diesem Blog meinen authentischen Weg zeigen. Wollte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es nicht "alles oder nichts" sein muss. Aber dann ist es doch passiert: Ich habe angefangen mich zu vergleichen. Mit dieser einen Bloggerin, die sich nicht mehr schminkt und seitdem vollkommen bei sich angekommen ist. Und mit dieser anderen  Bloggerin, die Body-Positivity propagiert und ihre Rundungen samt Cellulite mühelos in die Kamera hält. Und dann gibt es da noch die, die ihre Cremes selbst zusammen mischt und für die Zero Waste ein Kinderspiel zu sein scheint. Während ich nichts davon verkörpere.

Ich habe Spaß daran mich zurecht zu machen und mir hin und wieder roten Lippenstift aufzutragen.
Ich bin oft unzufrieden mit mir und sehr selbstkritisch, wenn ich mich im Spiegel betrachte.
Ich finde in meinem Alltag einfach nicht die Zeit dafür, alles selber zu machen. Oder ich nehme sie mir nicht bewusst dafür und kaufe stattdessen lieber gleich ein fertiges Produkt.
Ich bin nicht so perfekt, nicht so mit mir im Reinen, wie viele andere es scheinbar sind. Und deshalb frage ich mich: Was kann ich hier überhaupt erzählen, das irgendjemandem einen Mehrwert bietet?


Ich bin nicht nicht immer super nachhaltig, esse nicht das ganze Jahr über vegan und produziere an einigen Stellen immer noch zu viel Müll. Die meiste Zeit über versuche ich mein Bestes zu geben. Aber an manchen Tagen gebe ich auch mal nach. Handle egoistisch. Treffe Gefühls- anstelle von Verstandsentscheidungen. Und ich will das offen darlegen können. Will nicht schief angeschaut werden, nur weil ich mal nicht so konsequent bin. Ich wette wir alle machen hin und wieder Dinge, die nicht in unser Instagram-Profil passen. Und es ist mir dauerhaft viel zu anstrengend, ein Bild aufrecht erhalten zu wollen, dass ich niemals abgeben, aber dem ich doch irgendwie entsprechen möchte.

Die erste Hälfte von 2018 war intensiv und nicht immer leicht. So viel Neues, mit dem ich erstmal lernen musste umzugehen. Ich bin in die Dunkelheit gegangen, habe tief in mir gegraben, um endlich an den Grund zu kommen. Und auch wenn ich noch nicht ganz angekommen bin, habe ich keine Angst mehr vor der Finsternis. Sie gehört zu mir und sie will, dass ich ihr endlich Beachtung schenke. Mir ist vor allem in den letzten Wochen so vieles klarer geworden. Ich lerne und lerne und lerne mich selbst jeden Tag neu kennen. Reflektiere mich und mein Verhalten auf eine Weise, die manchmal schmerzhaft sein kann. Und wer weiß, vielleicht kann ich mit meiner Ehrlichkeit und meiner Offenheit irgendjemanden da draußen erreichen, der auch noch manchmal im Dunklen tappt. Und vielleicht finden wir da gemeinsam wieder raus.

Also wenn ihr mir trotz allem weiterhin auf meinem Weg folgen wollt - ihr seid herzlich dazu eingeladen.









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