Gesundheit beginnt im Kopf – von innerer Unruhe zur Ausgeglichenheit

by - Dienstag, Mai 01, 2018


Ich möchte intelligent sein. Schön sein. Erfolgreich sein. Ich möchte, dass du mich siehst. Mich wahrnimmst. Anerkennst, was ich alles bereits hinter mir habe, und worauf ich gerade zulaufe. Ich möchte nicht versagen. Niemals. Möchte nicht das du siehst, wie schwach ich manchmal bin. Wie verletzlich ich mich manchmal fühle. Wie fragil meine nach außen getragene Stärke eigentlich ist, und wie sehr ich das durch meinen Humor zu überdecken versuche. Ich möchte dich nicht enttäuschen. Genau das ist meine größte Angst. Dich zu enttäuschen. 

Es fällt mir schwer, etwas so persönliches hier öffentlich anzusprechen, aber ich glaube es ist wichtig in einer oberflächlichen Welt wie der unseren auch mal ganz ungeniert über wunde Punkte zu sprechen. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht von einem inneren Druck eingenommen war. Ganz gleich um was es sich handelt – sei es die Schule, die Uni, die Arbeit bis hin zu persönlichen Beziehungen, zu meinem Aussehen, zu meinen Qualitäten: Ich will immer alles richtig machen. Und am besten gleich noch besser als richtig. Es ist allerdings der Zeitpunkt gekommen, an dem ich einfach nicht mehr kann. Ich kann nicht mehr damit umgehen. Mit dieser Anspannung, mit diesem Bedürfnis es jedem recht machen zu wollen. Jedem gefallen zu wollen. Es macht mich innerlich ganz unruhig, es löst hin und wieder sogar kleine Panikattacken in mir aus. Ich kann gar nicht genau sagen, woher das kommt, ist es doch irgendwie immer ein bisschen mit der Sehnsucht nach Anerkennung verbunden. Ich meine, ansonsten könnte es mir doch vollkommen egal sein, wenn ich auch mal daneben liege, wenn ich in etwas nicht gut bin. Fehler mache. Das verrückte ist: Dieser Perfektionismus passt nicht mal zu mir, denn ich bin mit anderen Menschen sehr gnädig, sehr empathisch – nur nicht mit mir selbst.

Gesundheit beginnt im Kopf

Körper und Geist sind ein Team. Das habe ich endlich erkannt. Wenn ich mich innerlich ständig so verrückt mache, dann bin ich nicht mehr locker, frei, authentisch, sondern ständig in Gedanken bei dem nächsten Schritt. Das Hier und Jetzt kann ich gar nicht mehr so richtig genießen. Nicht so richtig fassen. Mein Körper verschließt sich, macht nicht mehr richtig mit. Ist ständig in Starre. Angespannt, und dadurch unheimlich erschöpft. Gesundheit beginnt im Kopf. Wenn der Kopf nicht mitspielt, dann gibt der Körper irgendwann nach, deshalb ist es für mich essentiell endlich eine Balance zu finden. Ich habe vor zwei Monaten eine Festanstellung begonnen, und so langsam meinen eigenen Arbeitsrhythmus gefunden. Nur das Ausruhen und Ausspannen, das muss ich noch irgendwie einbauen. Ich muss mir wieder mehr Zeit für mich nehmen. Für meine Bedürfnisse. Lernen, auf die Signale meines Körpers zu hören. Das ist in unserem schnelllebigen Alltag manchmal gar nicht so einfach. Was mir zurzeit sehr viel Kraft gibt, sind die ersten Sonnenstrahlen und die damit verbundenen extra langen Spaziergänge mit dem Hund. Ich versuche in diesen Momenten immer voll präsent zu sein, alles sehr intensiv aufzunehmen. Den Duft der Bäume, das Zwitschern der Vögel, und vor allem die unbändige Freude des kleinen Wirbelwinds – wie sie freudig über die Wiese rast.


Jedes Gramm zu viel habe ich verurteilt

Nach einem langen Arbeitstag fehlt mir oft die Motivation und Kraft, ein gesundes und nährstoffreiches Abendessen zuzubereiten. Schnelle Suppen mussten herhalten, doch ich möchte mich wieder mehr darauf konzentrieren, was ich zu mir nehme. Die richtige Ernährung und ausreichende Bewegung im Alltag sind manchmal schwer in 14-Stunden-Tage zu integrieren. Genau das braucht es aber, um ausgeglichener zu werden. Verrückt, wenn ich darüber nachdenke, wie ungesund ich noch vor ein paar Jahren gelebt habe. Ich habe meinen Körper behandelt, als sei er mein Feind. Jedes Gramm zu viel habe ich verurteilt. Jedes Gramm zu viel bedeutete für mich, dass ich zu wenig Selbstdisziplin besitze. Dabei hätte ich schon viel früher anfangen müssen, gnädiger mit mir zu sein. Meinen Fokus lieber aufs Innere zu lenken, als aufs Äußere. Wem wollte ich eigentlich gefallen? Am Ende des Tages zählt doch nur, ob ich selbst glücklich und zufrieden bin. Deswegen versuche ich mir jede Minute in Erinnerung zu rufen, wie wertvoll mein Leben ist. Wie viel ich besitze, wofür es sich lohnt, jeden Tag mit einem Lächeln aufzustehen. Ich bin kein ungeschriebenes Blatt mehr, es gab vor allem in jüngeren Jahren sehr vieles, dass mich beinahe hat zerbrechen lassen. Das Leben ist unbeständig und kann dir von der einen auf die andere Minute beinahe alles nehmen – das musste ich am eigenen Leib spüren. Aber es kommt nicht darauf an, was dich alles geprägt hat, sondern wie du damit umgehst. Ich kann stolz auf mich sein. Das weiß ich jetzt. Ich kann stolz sein, dass ich an Schicksalsschlägen nicht verbittert bin. Viel mehr hat es mich sehr dankbar werden lassen. Ich sehe nichts im Leben als selbstverständlich. Ich will nicht immer mehr und mehr. Muss mich mit niemanden vergleichen. Spüre keinen Neid, keine Missgunst denen gegenüber, die materiell gesehen mehr haben, als ich.

26 Years Old. Writer. Media Designer.

Ich habe erst im letzten Jahr diesen Blog gestartet. Habe dich teilhaben lassen, an meiner Bachelorarbeit. Erzählt wer ich bin: Nilay. 26 Jahre alt. Mediengestalterin. Studentin. Journalistin. Habe die Instagram-Bio ausgefüllt, Rahmendaten bekannt gegeben. Mich definiert. Warum ist es so wichtig, jedem klar zu machen, wer man ist? Was man alles schon gemacht und geleistet hat? Ist das alles wirklich relevant? Sagt es wirklich etwas aus, was ich studiert habe, wie mein Lebenslauf aussieht? Schwachsinn. Alles dreht sich nur um Erfolge. Abschlüsse. Dinge, die man erreicht hat, Dinge, die man erlebt hat, Dinge, die einen besser dastehen lassen. Aber wie sieht die Realität eigentlich aus? Da gibt es unbeantwortete Briefe. Monate, die nicht so gut laufen. Tage, an denen man sich verglichen mit allen anderen wie eine Versagerin fühlt. Wir sehen nur die glücklichen Beziehungsfotos. Die Bachelor-Zertifikate, die freudig in die Kamera gehalten werden. Schaut her – ich habe alles im Griff. Ich bin was. Schaut doch nur her! Das Leben wird bestimmt von der Außenwahrnehmung. Aber viel wichtiger ist, was wirklich drin ist, in dir. Worum sich deine Gedanken kreisen. Wie wir diese Welt mit unserem Dasein nur ein kleines bisschen zu einem besseren Ort machen können. Gesundheit beginnt im Kopf. Gesundheit beginnt dort, wo du auf dich selbst acht gibst. Losgelöst, von der Außenwelt. Losgelöst, von der Meinung anderer. Losgelöst, von der inneren Stimme, die dir sagt, du könntest noch besser sein. Ausgeglichen, im Hier und Jetzt. Jeden Moment aufsaugen, aber nicht jeden Moment präsent sein müssen. Eine innere Balance finden. Das ist wahrer Erfolg für mich.









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