Vegan-Food-Challenge: Warum tut man sich das an?

by - Sonntag, November 19, 2017

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Am 1. November (zufälligerweise Welt-Vegan-Tag) habe ich mit der 'Vegan-Food-Challenge' gestartet, die ich den kompletten Monat über durchziehen möchte. 30 Tage vegan ernähren? Das ist ja so 2013, würden die Leser des Attila Hildmann Klassikers 'Vegan for fit' jetzt wohl sagen. In seinem Buch verspricht er seinen Lesern ein ganz neues Körpergefühl in nur 30 Tagen. Ich für meinen Teil habe bisher keines seiner Bücher gelesen und plane das für die Challenge auch nicht. Meine Entscheidung basiert nicht auf irgendeinem Trend, oder einer bestimmten Diät, sondern sie hat sich auf meinem bisherigen Weg ganz natürlich ergeben. Vor ungefähr vier Jahren hat mich eine Freundin dazu inspiriert, mein Ess- und Konsumverhalten zu überdenken. Nicht etwa weil sie auf mich eingeredet hat, sondern weil ich ihr dabei zusehen konnte, wie sie unsere Welt und deren Abläufe ständig hinterfragt hat. Das habe ich selbst in vielen Aspekten auch immer wieder getan, doch nicht in dem Ausmaß, wie sie das bis heute tut. Vier Jahre in denen ich versuche jede Entscheidung gut zu durchdenken, damit ich moralisch hinter allem stehen kann, was ich tagtäglich mache. Das ist auch der Grund, warum ich vegetarisch lebe. Und genau das ist auch der Grund, warum ich herausfinden will wie es ist, für einen Monat ebenfalls auf Eier, Milch, Käse und Co. zu verzichten.

„Vegetarier kann ich ja noch verstehen, aber sich vegan zu ernähren ist viel zu extrem", „Hühner legen die Eier doch ganz von selbst", „Kühe müssen ohnehin gemolken werden" – gerade in den letzten Wochen wurde ich nicht selten mit Sätzen dieser Art konfrontiert. Einiges davon hätte ich noch vor wenigen Jahren selbst genau so unterschrieben. Aber damit ich bei der nächsten Konfrontation die passenden Argumente habe, will ich mich heute auf die Gründe konzentrieren, die viele Veganer zu ihrer Entscheidung motivieren. Schließlich ist es leichter etwas durch zu ziehen, wenn man von Anfang an weiß, wofür man es tut.

Hinweis: Ich beziehe mich hierbei auf die Gründe, die bei meiner Recherche am häufigsten aufgekommen sind. Sicherlich gibt es noch einige mehr.



1. Wegen der Tiere & der Ethik

Ein wesentlicher Grund, der zu einer veganen Lebensweise motivieren kann, ist der Tierschutz und damit unmittelbar verbunden die ethische Verantwortung gegenüber anderen Lebewesen. Viele Vegetarier wollen sich durch ihre Entscheidung nicht direkt beziehungsweise indirekt an der Tötung und Quälerei von Tieren beteiligen. Meist werden sie für den Veganismus sensibilisiert, wenn sie erfahren, dass die so genannten 'Nutztiere' auch bei der Produktion von Milch oder Eiern in vielen Fällen leiden müssen. Obwohl es immer mehr Menschen gibt, die aufgrund des Tierschutzes auf tierische Produkte verzichten, werden in der Tierhaltung regelrechte Turbomaschinen gezüchtet, damit möglichst große Mengen günstig verkauft werden können. Die Grundachtung vor dem Tier als anderes gleichwertiges Lebewesen ist also in vielen Köpfen nicht grundsätzlich verankert.


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2. Wegen dem Klima & der Umwelt

Kaum einer kann heute noch bestreiten, dass die landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu den größten Verursachern für schädliche Treibhausgase gehört. Neben CO2 sind vor allem Lachgas aus Mineraldüngung und Methan durch Wiederkäuer und Nassreisanbau besonders schädlich, da sie ein deutlich höheres Treibhauspotential haben. Schon allein die Reduzierung tierischer Produkte würde erheblich zum Umweltschutz beitragen.


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3. Wegen der Gesundheit

Während immer noch der Irrglaube existiert, eine vegane Ernährung würde automatisch Mangelerscheinungen hervorrufen, so kann man dem durch eine bewusste Wahl seiner Lebensmittel auf ausreichende Mengen an Eiweiß, Eisen, Jod, Zink und Calcium entgegenwirken. Generell empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine überwiegend fleischfreie Kost. Auch ist bewiesen, dass Vegetarier und Veganer seltener an ernährungsbedingten Krankheiten leiden. Denn auch viele tierische Produkte stehen im Verdacht, gar nicht so gesund zu sein, wie immer behauptet wird. Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten untersagt zum Beispiel der Eierindustrie, die Begriffe "gesund" und "nahrhaft" in Verbindung mit Eiern zu setzen. Auch die Forschung setzt sich fleißig mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Fleisch, Fisch, Milch und Co. auseinander.


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4. Wegen der Welternährung

Mitverantwortlich für den Welthunger, den es selbst im 21. Jahrhundert noch gibt, ist der ineffiziente Verbrauch von Ressourcen. Für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung werden Masttiere möglichst fett gefüttert, damit man sie im Nachhinein schlachten und selber essen kann. Das Problem des Welthungers besteht demnach nicht darin, dass es zu wenig Lebensmittel auf der Erde gibt, um die Menschheit satt zu bekommen, sondern das die Ressourcen nicht gerecht verteilt werden.


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5. Wegen dem Regenwald

Der Regenwald gilt mit all seiner Artenvielfalt als das natürliche Wunder unserer Erde. Selbst Ureinwohner können dort leben, denn dort finden sie Nahrung, Baumaterial für ihre Hütten und sogar Pflanzen, aus denen sie Naturheilmitteln machen können. Nimmt man alle Regenwälder zusammen kommen nur drei bis vier Prozent der Landfläche zusammen, allerdings leben dort mehr als die Hälfte aller Pflanzen- und Tierarten. Riesige Flächen dieses wichtigen Lebensraums werden für den Futtermittelanbau gerodet. Schließlich werden immer größere Soja-Felder gebraucht, um die riesige Anzahl an Tieren für die Lebensmittelindustrie satt zu bekommen. Doch das geschieht nicht ohne Folgen.

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6. Wegen dem Wasser

Über Wasser machen wir uns nur wenig Gedanken, denn – es ist ja da. Allerdings ist auch in deutschem Grundwasser, vor allem in Bundesländern mit intensiver Tierhaltung, bereits ein zu hoher Nitratwert festgestellt worden. Schuld daran sind zu einem großen Teil die tierischen Exkremente, die über Düngung ins Abwasser gespült werden. Außerdem benötigt man für die Produktion tierischer Produkte deutlich mehr Wasser, als für pflanzliche Produkte, während es immer noch Millionen Menschen gibt, die überhaupt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.


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7. Mein Fazit

Schon vor meiner intensiven Recherche war mir bewusst, dass die landwirtschaftliche Nutztierhaltung einen großen Einfluss auf unsere Umwelt hat und 'Nutztiere' meistens alles andere als artgerecht gehalten werden. Trotzdem hat es mich geschockt, die Zahlen und damit harten Fakten vor mir zu sehen. Mir ist unklar, warum auch medial die Tierhaltung und deren Zusammenhang zum Klimawandel kaum aufgegriffen wird, und stattdessen in der aktuellen Debatte die Kohlekraftwerke und die Diesel-Fahrzeuge im Mittelpunkt stehen.

Ich bin in Bezug auf Tiere nicht grundsätzlich emotional, und doch musste ich mir an der einen oder anderen Stelle die Tränen unterdrücken, bei der Vorstellung das es so viele Lebewesen gibt, die jeden Tag eingesperrt sind und kaum Platz haben sich um ihre eigene Achse zu drehen, nur um am Ende ohnehin getötet zu werden. Ganz zu schweigen von den Tieren, die zur Hochleistung gezüchtet werden, als wären sie bloß eine Maschine in einer Fabrik. So grausam es auch ist, ich finde es wichtig, sich mit den tatsächlichen Zuständen zu befassen, denn man kann nur dann bewusste Entscheidungen treffen, wenn man sich ein Bewusstsein dafür geschaffen hat. Ich bin mir sicher es gibt diese Ausnahmen, von denen viele Landwirte berichten. Es gibt Betriebe, denen das Wohl der Tiere am Herzen liegt. Aber das ist eben nicht die Regel. Und das sind meistens nicht die Tiere, die am Ende in irgendwelchen Fertigprodukten in den Regalen von Rewe, Edeka, Lidl und Co. landen.







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